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Shopping Next Level - oder: Warum ich dank Digital In-Store die neuen Schuhe doch gekauft habe.

Ich schaue auf die Uhr. Immer noch 40 Minuten bis das Plenum beginnt. Also gehen Tina und ich noch auf einen Abstecher in die Nürnberger Innenstadt. Vorbei an Vero Moda, Zara & Co. bleibt Tina vor dem Adidas-Store stehen. „Ich will nur mal schnell reinschauen.“ Von wegen – ich weiß wo das endet. Gelangweilt folge ich ihr in den Laden. Während Tina bereits glücklich die ersten Sport-Shirts in der Hand hält, schlendere ich gelangweilt durch das Geschäft. Mein Blick fällt auf eine Art Tisch mit Bildschirmen in der Mitte des Stores. Komisch – ist mir das letzte Mal gar nicht aufgefallen. Interessiert gehe ich zu den Touchpads, die in einer großen Holzplatte eingelassen sind, und scrolle durch das Menü. Ich gelange auf eine Seite mit der neusten Sportkollektion. Mir werden verschiedene Schuhe und Sportklamotten in meinen Lieblingsfarben angezeigt. Ich klicke weiter. Da sind auch die neuen Laufschuhe, die ich im Schaufenster schon toll fand. Gibt´s die vielleicht auch in Rot? „Patricia! Wir müssen los!“ Ich blicke auf und sehe Tina auf ihre Uhr zeigen.
 
Foto: Patricia Friedl
 
Zwei Tage später. Ich sitze zuhause an meinem Schreibtisch und suche nach einer Idee für den nächsten Artikel im MTP Magazin. Ich muss an den Adidas-Store denken. Interaktive Bildschirme sind mir schon vorher in anderen Geschäften aufgefallen. Aber was verbirgt sich dahinter? Der stationäre Handel hat es heutzutage natürlich nicht einfach. Immer mehr Leute shoppen online. Bequem zu Hause auf der Couch. Ohne Stress und Warten an den Umkleiden. Der Point of Sale steht vor der Herausforderung, die Kunden wieder in die Geschäfte zu locken. Bei meiner Recherche stoße ich auf den Begriff „Digital In-Store“. Digitale Tools, die mittlerweile am Point of Sale eingesetzt werden, sollen die Customer Experience verbessern und den Umsatz im Geschäft halten. Der Kunde wird auf seiner Reise – der Customer Journey – hin zum Kaufakt begleitet. Und dabei sprechen wir nicht nur von Bildschirmen, auf denen nette Verkaufsvideos laufen. Der stationäre Handel zeichnet sich immer mehr durch interaktive und innovative Verkaufsförderungsmaßnahmen aus. Ziel des Konzeptes ist es, den Point of Sale in das Multichanel Marketing zu integrieren und so den Umsatz der Marke zu erhöhen. Digital In-Store fördert die Aufmerksamkeit der Kunden und steigert so deren Interesse an den Produkten. Gleichzeitig bietet Digital In-Store einen umfassenden Kundenservice: Produktinformationen, interaktives Aus- und Anprobieren der angebotenen Ware oder Kaufberatung. Dabei kann auch eine direkte Verbindung zum Online-Shop bestehen. Ist man beim Einkaufen zum Beispiel gerade unter Zeitdruck, kann man sich seine Produkte direkt im Shop in den digitalen Warenkorb legen und nach Hause bestellen. Und unterhaltsam sind die digitalen Tools sowieso – vor allem für die wartenden Shopping-Begleitungen.
 
Ich suche im Internet weiter und stoße auf ein Video, das in einer mir sehr bekannten Stadt gedreht wurde. Junge Leute stehen mitten in der Nacht mit ihren Smartphones vor einem Schaufenster in der Nürnberger Fußgängerzone. Das Schaufenster ist ein interaktiver Touch-Screen, auf dem man auch außerhalb der Öffnungszeiten shoppen kann. Das Digital In-Store Konzept nennt sich „Windows Shopping“ und wurde 2013 von Adidas in Nürnberg getestet. Nachdem die Kunden ihr Smartphone über einen PIN- oder QR-Code mit dem Schaufenster verbunden haben, können sie damit direkt shoppen gehen. Auf dem Bildschirm im Schaufenster kann man die gewünschten Artikel in eine Einkaufstasche ziehen, die dann direkt auf dem Smartphone erscheinen. Die Produkte können nun entspannt bestellt und über soziale Netzwerke geteilt werden.
 
 
 

adidas Window Shopping - Cannes Lions 2013

Digital In-Store wird aber nicht nur bei Kleidung eingesetzt. Auch Supermärkte bekommen Konkurrenz durch Online-Shops und brauchen daher neue Lösungen für die stationäre Kundenansprache. Ein Beispiel dafür ist das SB-Warenhaus „Hellmann`s“ in São Paulo in Brasilien. Dort wurde eine Idee umgesetzt, die mir so manche miese Tiefkühlpizza am Abend erspart hätte. Mithilfe von intelligenten Einkaufswagen konnte der Markt seinen Umsatz innerhalb von nur einem Monat um 68% steigern. Mit einer Technologie namens RFID (Radio Frequency Identification) spüren Bildschirme, die am Einkaufswagen angebracht sind, Produkte in der Nähe des Kunden auf. Passend zu diesen Produkten werden einem in Echtzeit Rezepte auf dem Bildschirm vorgeschlagen. Das interaktive Display zeigt die Zubereitung des Gerichtes in Bildern und weist den Kunden den Weg durch den Supermarkt hin zu den restlichen Zutaten.
 
Die Zukunft des Vertriebs ist also weder Offline noch Online. Durch Konzepte wie Digital In-Store kann man den Point of Sale mit anderen Kanälen verknüpfen und den Kunden mit individuellem Multichannel-Marketing erreichen. Bei mir hat das auf jeden Fall geklappt. Ich gehe gleich los und hole mir als Belohnung für den geschriebenen Artikel die Schuhe, die ich vorgestern auf den Bildschirmen im Shop gesehen habe.  
 
Autorin: Patricia Friedl