eBay ebnet den Weg zum gläsernen Kunden. Wie die Kunden das wohl finden? | MTP e.V.

Der Onlineriese eBay hat erst vor ein paar Tagen die „Retail Associate Platform“ gelauncht. Diese App ermöglicht es Verkäufern, über ein Tablet Informationen über einen Kunden einzusehen, wenn dieser sich selbst über sein Smartphone in der Filiale einloggt. Damit gibt er dem Verkäufer die Erlaubnis, einsehen zu können, was er in der Vergangenheit alles über sein PayPal-Konto eingekauft hat (PayPal gehört eBay). Dazu werden dem Verkäufer außerdem Daten darüber geliefert, welche Artikel sich der Kunde im Online-Shop des Händlers angesehen hat. In der Theorie soll ein Verkäufer so seine Kunden wunderbar beraten können – schließlich kennt er bereits seine Größe, seine Lieblingsmarken, seinen Stil… Wenn das gewünschte Produkt dann in der Filiale nicht auf Lager ist, kann es direkt bestellt werden. Das ist natürlich praktisch.

Was nun folgt ist eine kritische Auseinandersetzung mit dieser App. Und ich möchte vorher eines klar stellen: Diese App ist eine spannende Geschichte und angesichts des Wandels im Handel ein Schritt in die richtige Richtung. Multi-Channel-Händler müssen ihre Verkaufskanäle miteinander verzahnen. Dazu gehört auch die Verbindung des eigenen Online-Shops mit den Filialen. Und trotzdem frage ich mich, ob diese App wirklich das ist, worauf die Branche schon lange wartet. Wie viele Informationen möchten wir denn wirklich mit völlig fremden Personen teilen? Geht es denn den Händlern nur noch darum, möglichst viele Informationen aus uns herauszusaugen und was haben wir als Kunde eigentlich davon?

Ich will die Wahl haben: Reicht PayPal als einzige Bezahlmöglichkeit?

Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber ich bin nicht bei PayPal angemeldet. Bisher hatte ich einfach nicht das Bedürfnis. Ich komme auch so gut zurecht. Aber ich bin auch nicht bei eBay angemeldet, vielleicht liegt‘s ja daran.

Wie auch immer. Die App funktioniert nur dann, wenn der Kunde bei PayPal ist und im besten Fall darüber schon so fleißig eingekauft hat, dass sein Konto seinen Kleidungsstil bereits zu 100 Prozent widerspiegelt. So weit, so gut. Bezahlt wird natürlich auch über PayPal. Schließlich ist die App eine Weiterentwicklung der „PayPal Check In“-App, mit deren Hilfe die Bezahlung der Waren per Gesichtserkennung über PayPal abgewickelt wird. Doch auch diese App hatte bisher einige Probleme, wenn man den Erfahrungsberichten im Google Play Store Glauben schenkt. Sicherlich wurden diese Fehler bereits behoben. Hoffen wir es mal.

Was ist eigentlich, wenn ich jetzt als Nicht-PayPal-Kunde etwas kaufen möchte und der Artikel ist nicht in meiner Größe verfügbar? Tja, Pech gehabt, Bezahlung nur über PayPal.

Ich schätze, dass den Händler viele potentielle Kunden verloren gehen werden, nur weil sie gerne wie gewohnt bezahlen wollen. Meine Mutter möchte ja schon bei Online-Bestellung keine Bankdaten rausrücken. Meint ihr, ich könnte Sie überzeugen, sich bei Pay Pal anzumelden? Oder noch schlimmer: meine Oma?

Wir privat sind eure virtuellen Einkaufskörbe? Und soll da jeder reinschauen?

Überlegt doch mal, was ihr bisher alles über PayPal eingekauft habt! Über genau diese Dinge macht sich der Verkäufer sein Bild über euch. Ob ihr diese Waren wirklich alle für euch eingekauft habt, welche ihr dann doch wieder zurückgeschickt habt und welche jetzt im Kleiderschrank vergammeln – diese Informationen hat er nicht. Da stellt sich einem doch die Frage, wie dieses optimale Beraten dann noch funktionieren soll. Außerdem: Manches, was wir online shoppen, kaufen wir nicht ohne Grund online ein. Es ist einfach anonymer. Man muss dem Verkäufer an der Kasse nicht in die Augen schauen, wenn man ein neues Sex-Spielzeug kaufen möchte. Aber der Verkäufer, dem ihr in einem x-beliebigen Geschäft euren Warenkorb zu Füßen legt, der weiß dann genau, was eure Vorlieben sind. Um an dieser Stelle mal aus einem bekannten Werbespot zu zitieren: „Also ich möchte das nicht!“ Da ist mir das klassische Frage-Antwort-Spiel doch wirklich lieber.

Kommen wir zur konstruktiven Kritik. Einfach meckern kann ja jeder.

Also eBay, das ist ja wirklich eine schöne Idee. Aber kommen wir doch einfach mal dazu, was ich mir noch alles wünsche, bevor ich eure App benutze:

  1. Ich möchte aussuchen, wie ich bezahle. Denn ich bin nicht bei PayPal.
  2. Ich möchte einstellen können, welche Informationen der Verkäufer von mir bekommt.

Kriegt ihr das hin?

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