Wir brauchen keine Work-Life-Balance! | MTP e.V.

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Neuerdings wollen also alle jungen Bewerber eine besonders ausgeglichene Work-Life-Balance. Und die Unternehmen, immer auf der Suche nach den besten Köpfen, geben ihr Bestes, die richtigen Berater zu engagieren, ein möglichst überzeugendes Konzept zu entwickeln.

Dabei ist der Begriff per se wenig sinnvoll: Seit wann lassen sich Arbeit und Leben auf zwei Waagschalen legen? Arbeitszeit und Privatleben mögen zeitlich getrennt sein; aber sie beeinflussen sich trotzdem und die Arbeitszeit macht nun mal ein Drittel jener Zeit aus, die wir nicht schlafend verbringen. Implizit sagen der Begriff und das zugrunde liegende Konzept auch, dass die Arbeitszeit uns stresst und wir das Privatleben brauchen, um uns davon zu erholen.

Und deshalb zielen die meisten Work-Life-Balance Maßnahmen hauptsächlich darauf ab, die Arbeitszeit zu verringern (Teilzeit, Vertrauensarbeitszeit) oder Fahrtwege zu verkürzen (Betriebskindergarten, Home-Office) – als ob dies die Freude an der Arbeit erhöhen würde. Tatsächlich muss man dann nur nicht so lange in der Arbeit versauern und daher weniger leiden – ist das Ganze so doch schneller vorbei …

Stattdessen sucht die heutige Jugend ihr Seelenheil außerhalb der Arbeit im (Privat-)Leben, d.h. in der Familie, im Sport, bei Freunden und bei sich selbst. Erst dort beginnt unser richtiges Leben – glauben wir …

Warum? Weil wir ständig auf der Suche nach Selbstverwirklichung sind. Maslow hin oder her, uns geht es gut, wir haben alles, was wir brauchen. Existenziellen Mangel kennen wir nicht. Daher sehnen wir uns nach Bestätigung, Lob und Kritik, nach permanenter Evaluation und dem Erspüren der eigenen Grenzen. Standardangebot der Arbeitgeber? Fehlanzeige!

So offenbart sich hier, was die Work-Life-Balance tatsächlich ist: Ein faustischer Pakt in dem monotone, sinnentleerte Arbeitszeit vergolten wird mit mehr Zeit für Yogaübungen, Selbstfindungsseminare und Marathontraining.

Doch jetzt mal Hand aufs Herz! Wer glaubt denn ernsthaft, dass man Geschäftsführer seiner eigenen Firma oder CEO eines Konzerns wird und nebenher noch jeden Tag drei Stunden Zeit für Power-Pilates, VHS-Kurse und seine zwei Kinder hat?

Arbeit muss sinnvoll sein und sollte nicht nur die Kraft der Arbeitnehmer aufzehren, sondern ebenso sinnstiftend sein wie ein kreatives Hobby.

Liebe Arbeitgeber: Ihr dürft uns also gern 40 Stunden oder mehr pro Woche für wenig Geld beschäftigen – aber nur wenn unsere Mundwinkel dabei die gesamte Zeit nach oben zeigen und wir nicht nach zwei Wochen Magengeschwüre bekommen.

Denn wer seinen Beruf lebt, der braucht keine Work-Life-Balance!

Dies ist der fünfte Teil einer Serie über die Generation Y – passend zur Ausgabe 15. Viel Spaß beim Lesen!

 

UPDATE: 16.01.2014: Ein toller Beitrag der CONMEDIA zum Thema

Autor:

Manfred Thurm

GS München
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