You must be joking

Denglisch, der Dauerlacher der deutschen Sprache

Das Image der deutschen Sprache ist angekratzt. Zu kompliziert, zu langatmig und von oben bis unten eingestaubt. Mit dieser Zustandsanalyse gesellt sich die deutsche Sprache zu seinen europäischen Nachbarn Frankreich, Italien und Spanien unter den Scheffel des linguistischen Platzhirsches. Englisch. Das Phänomen ist seit langem bekannt, die englische Sprache ist auf dem Vormarsch. Ungefragt infiltriert, verdrängt und verunstaltet sie. Grammatik, Wortschatz und Klangschönheit alteingesessener Sprachen zwingt sie mühelos in die Knie. Dabei könnte das Geheimnis für diesen, nicht enden wollenden Triumphzug kaum simpler sein. Einzig sein makelloser Ruf unterscheidet das Englische von seinen Kontrahenten. Spritzig und schlagfertig mit dem gewissen Kolorit von Übersee. Ein außerordentlich betörender Dunstkreis, welcher sich im besonderen Maße der Beliebtheit von beinflussbaren Teenagern und ideenlosen Köpfen in Werbeagenturen erfreut. Doch während man in Frankreich nun zumindest Letzteren die Verwendung von Anglizismen in der Werbung gesetzlich verbietet, dürfen deutsche Copywriter, in vergangenen Zeiten auch Werbetexter genannt, aufatmen und weiter emsig mit englischen Begrifflichkeiten experimentieren.

Allerdings ist es fraglich, ob dieser Freifahrtschein der deutschen Werbebranche zum Vorteil gereicht. Denn es steht fest, ein Großteil der Deutschen ist nicht in der Lage die englischen Slogans korrekt zu übersetzten. Da wird aus Mitsubishis “Drive alive“ schnell einmal „Überlebe die Fahrt“ und der bekannte Douglas-Slogan “Come in an find out“ wird als „Kommen Sie rein und finden Sie wieder raus“ gedeutet. Dabei kann man wohl getrost davon ausgehen, dass diese Übersetzungen nicht den eigentlichen Absichten der Unternehmen entsprechen dürften. Die Beispiele Mitsubishi und Douglas zeigen deutlich, was in der Textbranche schief läuft. Das Bestreben mittels eines englischsprachigen Slogans weltmännisch und eloquent zu wirken, wiegt längst sehr viel schwerer als jenes verstanden zu werden.

Während man sich hierzulande noch verzweifelt bemüht, die möchtegern hippen Parolen in den Medien zu verstehen, kugelt sich der englischsprachige Raum bereits vor Lachen. Besonders in Großbritannien ist Denglisch nicht mehr als ein Witz. Leider ein Witz, dessen Pointe nicht ohne Erklärungen auskommt, denn infolge von hemmungsloser Verballhornung wird selbst den Engländern ihre Muttersprache fremd. Ein Brite wird sich niemals für ein Shooting schick machen. Simsen ist auch kein Wort, nur weil es dieselben drei Buchstaben enthält wie SMS. Doch nicht nur die Verstümmelung ihrer eigenen Sprache amüsiert die Inselbewohner, sondern auch die deutschen Alternativen tragen zu ihrer Belustigung bei. Der preisgekrönte Vorschlag „Ruckizuckifutti“ anstelle von “Fast food“ tritt hierbei außer Konkurrenz an.

So mag die deutsche Sprache zurzeit nicht den besten Ruf haben, doch beliebter als Denglisch ist sie allemal. Unschön, unverständlich und jeglicher Logik entbehrend kann es nur jene für sich begeistern, die seinen Wortschatz tagtäglich mit neuen Hirngespinsten bereichern. Inzwischen scheint auch zahlreichen Unternehmen klar geworden zu sein, dass sich das Image ihres Produktes nur schwerlich mit Denglisch aufpolieren lässt. McDonald’s zieht „Ich liebe es“ dem alten “Every time a good time“ vor. Douglas tauschte “Come in and find out“ durch „Douglas macht das Leben schöner“. Und auch die Bahn macht aus dem “Flyer“ wieder eine „Broschüre“ und aus dem “Counter“ einen „Schalter“. Denn schließlich möchte kein Konzern sein öffentliches Auftreten mit einem Running Gag eröffnen.

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 Über die Autorin:

Lara Wegener
Lara Wegener studiert seit dem Wintersemester 2010 Russistik und Galloromanistik in Giessen. Ihr Interesse am Marketing und ihre Freude am Schreiben führten sie im April 2012 zum Mehrwert und motivierten sie schließlich dazu, für ein Jahr die Leitung des  Onlineauftritts des Magazins zu übernehmen. Immer wieder gerne macht sie sich auf die Suche nach spannenden Inhalten, um die Leserschaft des Mehrwerts zu informieren, zu begeistern oder schlicht zu amüsieren.
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