Ethischer Konsum in der Gesellschaft und im Unternehmen | MTP e.V.

Vor 32 Jahren, also 1987, wurde der Brundtland Bericht „Our common future“ von der UN-Kommission veröffentlicht. Kurz darauf gewann der Begriff Nachhaltigkeit an großer Bedeutung. Darüber hinaus leitete der Bericht weitere umweltrelevante Konferenzen wie die UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 ein.

Über die Jahre entwickelte sich der Begriff Nachhaltigkeit und der damit in Verbindung gesetzte ethische Konsum zu einem nicht mehr wegzudenkenden Leitbegriff des 21. Jahrhunderts. Um die Bedeutung der Ethik im Konsumverhalten erläutern zu können, müssen wir den Begriff Ethik zuerst auf seinen Kern, das moralische Handeln, eingrenzen.

Moral ist keine rechtliche Vorschrift. Wer moralisch handelt, der tut dies aus freiem Willen. Nichtsdestotrotz wird auch der bestraft bzw. sanktioniert, der nicht moralisch, also der gesellschaftlichen Norm entsprechend, handelt. Sanktionen für unmoralisches Handeln können unter anderem soziale Isolation sein oder im Bezug auf Unternehmen ein erheblicher Imageschaden, der Auswirkungen auf die Absatzzahlen haben kann.

Eine Bewegung, die immer mehr Anhänger findet

Die Knappheit der Ressourcen, menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse in Dritte-Welt-Ländern, Massentierhaltung und nicht zu vergessen der Klimawandel sind zu wichtigen politischen und wirtschaftlichen Themen unserer heutigen Zeit geworden. Aufklärungsfilme wie An Inconvenient Truth (2006), Cowspiracy (2014) oder The True Cost (2015) versuchen immer mehr Menschen im Umgang mit ihrem Konsum zu sensibilisieren.

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts scheinen immer mehr Menschen sich der LOHAS (Akronym für Lifestyle of Health and Sustainability)-Bewegung anzuschließen und die Tendenz steigt weiterhin an.

Ob das nun allein an den Filmen liegt ist fraglich. Viel mehr hat es sich aus dem Zusammenspiel aus den UN-Konferenzen, dem Aufstieg von NGOs und NPOs wie Amnesty International, Greenpeace, PETA, dem ersten deutschen Bio-Boom durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 und der von Greta Thunberg initiierten Fridays for Future-Bewegung ergeben.

Der nachhaltige Lebensstil hat sich endgültig – gerade in weltoffenen Städten wie Berlin oder New York – etabliert. Die LOHAS sind eine unbestreitbar wichtige Gruppe in der Gesellschaft geworden und üben durch ihren ethischen Lebensstil und somit die Nachfrage nach ethisch vertretbaren Konsum immensen Druck auf Unternehmen aus.

Wie geht man als Unternehmen mit dieser Bewegung um?

„Der grüne Ton wird zum guten Ton“, so Prof. Dr. Martin Kreeb, Lehrstuhl für Nachhaltigkeitsmanagement an der Universität Hohenheim. Von den Unternehmen wird verlangt nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische (z. B. die Verwendung natürlicher Rohstoffe und erneuerbarer Energien) und soziale (z. B. die Unterstützung sozialer Einrichtungen) Verantwortung zu übernehmen. Wer als Unternehmen also einen Wettbewerbsvorteil generieren und sein Image aufbessern oder pflegen will, der sollte sich zunehmend mit Corporate Social Responsibility (CSR) beschäftigen. Die Europäische Kommission definiert CSR als „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft“. Des Weiteren ergänzt sie, dass CSR sich nicht nur positiv auf ein Unternehmen auswirken kann (bspw. Gewinnmaximierung, bessere Kundenbeziehungen, etc.), sondern auch einen hohen Stellenwert für die Europäische Union (nachhaltige Ökonomie) und die Gesellschaft z. B. als Vorbildfunktion für die Gesellschaft hat. Eine Win-Win-Situation für alle.

Zeit zu handeln

Ethisches Handeln mag zwar freiwillig und jedem selbst überlassen sein, doch wer ein gutes Image haben will, kommt nicht am ethischen Konsum (auf Personen bezogen) oder an Corporate Social Responsibility vorbei (auf Unternehmen bezogen).

Über die letzten 30 Jahren hat sich viel verändert. Die UN-Komissionen, die Unternehmen, Profit oder Non-Profit, sowie die Filmindustrie machen immer mehr auf die globalen Missstände aufmerksam und animieren zum ethischen Konsum. Ethischer Konsum und Nachhaltigkeit, die vor 30 Jahren noch in den Anfängen standen, sind heute wichtiger Bestandteil vieler Menschen geworden. Das zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse der Europawahl in Deutschland und der signifikante Anstieg der Stimmen für die Grünen, vor allem bei den unter 25 Jährigen.

Jeder Mensch und jedes Unternehmen muss lernen nicht auf Kosten zukünftiger Generationen zu leben und soll Verantwortung für sein Handel zu übernehmen. Hoffen wir, dass diese Bewegung weiter wächst und wir gemeinsam die Welt zu einem fairen und besseren Ort machen können.

Autorin:

Lucy Russakowa
GS Berlin

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