„Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur für Hippies & Ökos“ | MTP e.V.

– Ein Interview mit Geschäftsführer und Gründer Jan Patzer von Avoid Waste

Heute treffen wir Jan Patzer (29) von Avoid Waste. Jan war bei MTP in der Geschäftsstelle Hannover aktiv. Vor zwei Jahren hat er sich gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen Can Lewandowski selbstständig gemacht. Avoid Waste ist als Onlineshop „für Nachhaltigkeit ohne Verzicht“ gestartet. Mittlerweile betreiben die beiden darüber hinaus eine Unternehmensberatung.

Was ist deine selbstständige Tätigkeit?

Jan Patzer (29) Mitgründer von Avoid Waste

„Wir, das heißt ein guter Freund von mir und ich, haben vor zwei Jahren Avoid Waste gegründet. Wir sind Geschäftsführer eines Gewerbes bzw. einer Firma und firmieren diese gerade zu einer GmbH um, da wir damals nicht genau wussten wie viel Zukunftsaussicht das Ganze hat. Im Wesentlichen führen wir ein Beratungs- und Handelsunternehmen mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Bei Avoid Waste geht es darum, Produkte aus innovativen und nachhaltigen Materialien zu schaffen, die einem dabei helfen Müll einzusparen, aber gleichzeitig einen hohen Anspruch an Design und Funktionalität haben. Es soll bewirken, dass man das Produkt kaufen möchte, weil es „cool“ ist und der nachhaltige Aspekt kommt als Extra on top.“

Produziert ihr eure Produkte selbst?

„Wir lassen produzieren. Da wir selbst nur ein kleines Team sind, aktuell bestehend aus fünf Leuten im Kernteam, haben wir dementsprechend für die Produktionstätigkeit verschiedenste Partner. Mittlerweile haben wir uns auch einen Partner in Hannover aufgebaut, dort arbeiten wir in Zukunft unter anderem mit dem Uni-Institut zusammen, die auch Produktionsmöglichkeiten haben.“

Neben Avoid Waste habt ihr beiden auch eine Unternehmensberatung. Wie kam es dazu?

„Wir sind vor zwei Jahren gestartet, mit der Idee nachhaltige Produkte für Jedermann herzustellen, die nicht aus konventionellem Plastik sind, sondern aus innovativen Stoffen. Nach einiger Zeit sind andere Unternehmen auf uns aufmerksam geworden und waren begeistert von unserer Tätigkeit. Sie wollten die Produkte mit ihrem eigenen Branding versehen. Letztlich wollten die Unternehmen nachhaltiger werden und haben um unsere Mithilfe gebeten. Seither bieten wir Projekte an, bei denen wir anderen Unternehmen helfen ihre Produkte und Dienstleistungen nachhaltiger zu gestalten. Hier gehen wir mit ihnen gemeinsam in die Produktentwicklung oder helfen neue Materialien zu finden und Prozesse umzustellen. Dieser Bereich macht mittlerweile einen großen Anteil unserer Arbeit aus.“

Ist die Geschäftsführung von Avoid Waste deine Haupttätigkeit?

„Korrekt, wir haben vor zwei Jahren nebenberuflich gegründet. Nach der Universität habe ich zunächst bei einer Unternehmensberatung angefangen, mein Mitgründer hat unter anderem in Start-ups gearbeitet. Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass unsere Idee gut funktioniert, sodass wir die Tätigkeit mittlerweile Vollzeit ausüben. Unser Team wächst stetig, wir stellen immer mehr Leute ein, da wir merken, dass wir uns, für das was auf uns in Zukunft zukommt, vorbereiten müssen.“

Was war der auslösende Moment zur Gründung von Avoid Waste?

„Es gab nicht nur einen Moment, sondern mehrere. Mein Mitgründer und ich waren in Asien auf Reisen und dort war das Plastikproblem viel deutlicher zu sehen als in Deutschland. Sobald man anfängt sich damit zu beschäftigen merkt man, dass es ein globales Problem ist. In den vergangenen zwei Jahren ist ebenfalls die öffentliche Aufmerksamkeit gestiegen.

In unserem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging es gefühlt um reine Gewinnmaximierung. Wir haben das für ein schwieriges Konzept gehalten und wollten für unseren Werdegang etwas finden, hinter dem wir beide zu 100 Prozent stehen. Für das Plastikproblem wollten wir eine Lösung schaffen, die nicht nur für Ökos und Hippies interessant ist, sondern für die breite Masse. Wir wollten das Thema Nachhaltigkeit cool machen und schöne Produkte dazu schaffen. Daraus hat sich unsere Idee entwickelt, jedoch war das gemeinsame Reisen einer der entscheidendsten Punkte.“

Wie verpackt ihr eure Produkte aus dem Onlineshop, sodass sie möglichst nachhaltig sind?

„Das ist eine große Herausforderung. Ein Ansatzpunkt ist plastikfrei zu arbeiten. Wir verwenden nur Kartons mit Zertifizierung, beispielsweise soll dieser aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen und einen möglichst hohen Recyclinganteil besitzen. Ebenfalls versuchen wir derzeit das Verpackungsdesign so zu gestalten, dass es gleichzeitig die Versandverpackung ist, um Verpackungsmüll einzusparen. Der Online-Channel war für uns, mit unserem kleinen Team, der einfachste Weg zu starten. Jetzt arbeiten wir zunehmend mit Händlernetzwerken zusammen, die unsere Produkte in ihre Regale stellen.“

Was war bisher dein schönster Moment bei Avoid Waste?

„Zum einen relativ am Anfang, wenn man zum ersten Mal sein selbst kreiertes Produkt in der Hand hat. Diesen Moment empfand ich als sehr schön, da man zuvor an etwas herumwerkelt, was es so vorher nicht gibt, daraufhin geht es in die Produktion und irgendwann hält man es in der Hand und man weiß es ist von einem selbst.

Zum anderen kommt immer wieder ein Anruf rein, mit dem man nicht rechnet. Zum Beispiel ein Anruf aus Kopenhagen von den United Nations. Sie meinten sie sind auf uns aufmerksam geworden, würden gerne nachhaltiger werden und ob wir uns vorstellen könnten Lieferant von der UN zu werden. Es ist immer wieder ein cooler Moment, wenn man spürt, dass authentisches Interesse dahintersteckt und unsere Produkte als hochwertig wahrgenommen werden.“

Was genau hast du bei MTP gemacht und welches Know-how konntest du dir zu Nutze machen?

„Ich hatte nie ein Amt im Vorstand, aber habe an vielen Projekten mitgearbeitet. Beispielsweise die Blackberry-Challenge von 2011, in der wir ein Konzept für Blackberry-Smartphones erarbeitet haben. Insbesondere die praktische Arbeit und sich ausprobieren zu können, hat ein Menge gebracht. Wir merken auch heute, dass Marketing einer der essentiellen Punkte ist, die ausmachen, ob du erfolgreich bist oder nicht. Dein Produkt kann unglaublich gut sein, wenn niemand davon weiß, dann kauft es auch niemand.“

Was bedeutet es für dich persönlich selbstständig zu sein?

„Ich habe damals im Studium schon versucht durch MTP und Praktika Erfahrungen zu sammeln, habe in der Unternehmensberatung für große Konzerne gearbeitet. Aber volle Verantwortung für die eigene Handlung zu tragen und auch 100 Prozent von dem Erfolg zu spüren, ist etwas Besonderes. Man ist sowohl verantwortlich für seine Fehler, als auch Erfolge. Da war die Lernkurve noch einmal deutlich ausgeprägter. Man kann die Glücksmomente, wenn etwas klappt, mit keinem anderen Job vergleichen.“

Weitere Informationen zu Avoid Waste und den Produkten

Autorinnen:

Isabelle Grabner
GS Hannover

Juliana Bollenbach
GS Hannover

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