Verzicht auf Silvesterknaller – Kluge Marketingstrategie oder Umsatzpleite? | MTP e.V.

Nicht lange liegt die Nacht der Jahreswende zurück: Wir begrüßten das Jahr 2020!  

Für viele Menschen ist das Feiern zu Silvester undenkbar ohne ein leuchtendes Feuerwerk. Im Durchschnitt werden an Silvester 10.000 Tonnen Feuerwerk pro Jahr gezündet. Schön anzusehen, aber auch eine enorme Müll– und Feinstaubbelastung.

Die Kehrseite der Medaille:

Durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern werden jährlich 4.200 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Diese Menge entspricht 25% der jährlichen Holzverbrennungen oder 2% der jährlichen Feinstaubmenge in Deutschland. Bei hohen Konzentrationen, vor allem in Großstädten, kann es dadurch zur Reizung der Atemwege und zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen. Neben uns Menschen haben auch die kleinen und großen Tierfreunde in dieser Nacht schwer zu kämpfen – oft sind sie von der lauten Knallerei eingeschüchtert und verängstigt.

Diese negativen Seiten des Silvesterfeuerwerks haben nun auch einige Großhändler in Deutschland erkannt und bereits Ende 2019 reagiert: Einzelne EDEKA- und REWE-Händler haben den Feuerwerksverkauf eingestellt. Auch große Ketten wie Bauhaus und Hornbach wollen nachziehen. Dieses Umdenken der Einzelhändler und damit der Verzicht auf das lukrative Geschäft mit Feuerwerkskörpern fand 2019 erstmalig statt. Die Händler wollen damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Uli Budnik, ein Leiter der REWE-Märkte Homberg & Budnik im Dortmunder Süden, äußert sich folgendermaßen zum Thema: 

Auf Facebook verkündet er öffentlich seine Entscheidung. Die Reaktionen darauf seien äußerst positiv gewesen. Auch dieses Jahr wird sich Uli Budnik wieder gegen den Verkauf entscheiden. Die Baumarktkette Hornbach und Bauhaus kündigen für 2020 die Einstellung des Verkaufs an. Discounter hingegen wollen weiterhin Böller und Raketen in ihrem Sortiment anbieten.

Feuerwerksverbot? 

In einem Bundesland wird auch über ein generelles Verbot der Silvesterknaller diskutiert: Bayern. Laut einer Umfrage von BR24 sind knapp 52 Prozent der Bayern für ein Feuerwerksverbot. 41 Prozent, damit weniger als die Hälfte, sprechen sich dagegen aus. Dabei war die Altersverteilung interessant: Die ältere Bevölkerung war eher für ein Verbot als die Jüngeren. Außerdem spielte auch die politische Gesinnung eine Rolle: Wähler der Grünen, Linken und SPD sind eher gegen die Knallerei. Anhänger von CSU, FDP und AfD sind hingegen der Meinung den Kauf von Feuerwerk jedem selbst zu überlassen.

Risiko: Umsatzeinbußen 

Christoph Windges, Betreiber von einem der größten EDEKA-Märkte Nordrhein-Westfalens, ist noch etwas skeptisch: „Wir verzichten auf den Umsatz, und wir wissen nicht, wie die Kunden reagieren“. Der Kunde könnte einfach in den nächsten Supermarkt gehen und dort seine Einkäufe tätigen. Die Zahlen sprechen für sich: 2018 wurde rund 133 Millionen Euro Umsatz mit Feuerwerkskörpern gemacht. Angesichts dieser hohen Zahl ist der Verband der pyrotechnischen Industrie zuversichtlich: Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als behauptet. Die Debatte soll eher ein „Marketing-Gag“ von Hornbach sein.  

Für Feuerwerkshersteller wie Weco könnte der Boykott der Händler gegen das Feuerwerk existenzbedrohend sein. Hornbach sollte aber an sich die letzten Jahre keinen nennenswerten Silvesterumsatz gemacht haben. Die Verhandlungen mit den Großkunden für 2020 laufen schon, dort sehe man „noch keinerlei Anzeichen für Verzichtabsichten“. 

Sorge um Feuerwerk 2020?

Der Experte Krüger meint: „Solange die Discounterketten nicht mitziehen, wird sich wenig tun“. Falls doch, sollten auch die Sicherheitsbedenken nicht außer Acht gelassen werden. Es könnten viele Böller ohne Sicherheitsabzeichen in den Umlauf kommen. „Je stärker die Kunden eingeschränkt werden, desto eher wandern sie ins Internet ab.“  

Das Feuerwerk 2020 scheint damit noch klar gerettet. Zumal der Trend auch zu städtischen Großfeuerwerken geht. 

Autorinnen:

Anika Englmeier

GS Chemnitz

Text

Nancy Hennig

GS Chemnitz

Visualisierung

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