Druck aus Palo Alto – VW muss einlenken | MTP e.V.

Elon Musk elektrisiert. Wenn es nach ihm ginge, gleich eine ganze Region, ja sogar ein ganzes Land. Der Elektroprinz aus Palo Alto, Kalifornien, hat bei der Verleihung des goldenen Lenkrads angekündigt eine Giga Factory direkt in der Müggelspree, genauer gesagt in der Grünheide zu errichten. Es sollen tausende neue Jobs entstehen, ein wahrer Segen für das Bundesland Brandenburg angesichts des Zulaufs für populistische Parteien, welche ihren Profit aus den Sorgen um die strukturschwache Region generieren. Umso mehr freute sich Ministerpräsident Dietmar Woidke über das Engagement aus dem Silicon Valley. Es sei, wie man sich vorstellen könne, ein sehr schöner Tag als Ministerpräsident.

Wer gibt den Ton an?

Und die Konkurrenz? Ist sie überrascht, frustriert oder gar geschockt? Nein! Ganz im Gegenteil, über das Engagement von Tesla in Deutschland sagt VW-Chef Herbert Diess: „Das ist eine gute Entscheidung für den Standort”, man meint sogar er freue sich auf den intensiven Wettbewerb, denn er wirkte sehr gelassen, saß sogar bei der Ankündigung im Publikum und gilt gemeinhin als Fan von Musk. Er sei “Vorbild und Maßstab” für Volkswagen, vor allem in puncto Geschwindigkeit und Herangehensweise an das Thema Elektromobilität.

 

Wir haben dann immer die Höchstleistungen gebracht, wenn wir im intensiven Wettbewerb waren.” – Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie

 

Es ist einfach eine ganz neue Begeisterung, eine Euphorie zu spüren, welche der Automobilmarkt Deutschland lange nicht mehr ausgestrahlt hat, denn die Elektrowende wurde verschlafen und kommt jetzt gewaltig. VW, Mercedes, BMW – das sind ohne Zweifel Marken mit hervorragender Ingenieurskunst und mit die größten Wirtschaftstreiber, doch fehlte es den Etablierten lange an neuen Ideen und vor allem an Visionen. BMW brachte den i3 auf den Markt, der wird nun eingestellt und Mercedes streicht tausende Jobs. Es könnten bessere Zeiten für die großen Player sein, doch ist Elon Musk der Träumer aus den USA vor allem eins, eine Riesenchance. Auch, und vor allem für, die deutschen Automobilhersteller. Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie äußerte sich jüngst dazu in einem Interview: „Wir haben dann immer die Höchstleistungen gebracht, wenn wir im intensiven Wettbewerb waren.” Was wir alle aus der Klausurenphase kennen, deutet auch Herr Mattes an. Es muss nun wirklich viel Kraft investiert werden, damit das Projekt gelingen kann und man sich einen Vorsprung für die Zukunft erarbeitet. Doch wie stellen Mercedes & Co. das an? Nehmen wir doch mal das Beispiel VW.

Seit dem Spätherbst 2019 ist bei VW eine wahre Aufbruchstimmung zu spüren, denn vor allem das Marketingkonzept verändert sich drastisch, der Konzern plant eine komplette Neuausrichtung. Um den Kunden die neuen Modelle der Zukunft, befeuert von Lithium–Ionen Batterien, schmackhaft zu machen, investiert Volkswagen rund 1,5 Mrd. Euro in Marketingkampagnen. Das ist zwar derselbe Wert wie im Vorjahr, doch ändert sich die Verteilung des Geldes, es wird umgeschichtet. Statt beispielsweise in Printmedien zu investieren, setzen die Wolfsburger auf Digital Marketing, um auch jüngere Zielgruppen, z. B. Millenials zu erreichen, die ja gemeinhin nicht dafür bekannt sind, das einstige Statussymbol Auto stark nachzufragen. Zumindest noch nicht. Erschwerend kommt dazu, dass das Image des Platzhirsches immer noch angekratzt ist und mit den Nachfolgen der Dieselkrise zu kämpfen hat, denn die vorbildliche deutsche Ingenieurskunst ist dadurch, zumindest teilweise, in Verruf geraten. Passend dazu hat VW ein neu designtes Logo vorgestellt. Wer schon mal ein Spiel unserer Nationalmannschaft in den letzten Wochen verfolgt hat, wird sich gewundert haben, woher denn dieses neue Logo kommt. Damit nicht genug, es sollen Events zur Brand Experience folgen und sehr spannend: VW geht unter die Publisher, denn mit ihrem neuen Online Magazin ID.HUB möchten sie viele neue Aspekte der E-Mobilität präsentieren und natürlich für ihre zukunftsweisenden Produkte werben. 60 Milliarden Euro, das liest sich schnell, jedoch ist es eine große Summe, die in die Elektromobilität fließen soll. Besser spät als nie.

Musk – Vom Innovator zum Marktführer?

Elon Musk hat bereits mit dem Model 3, Space X und weiteren bahnbrechenden Technologien begeistert und gezeigt, dass er das aus dem nichts erschaffen kann. Dort, wo er begann, war nur Wüste und ein Traum. Keine Spur von Infrastruktur oder Zulieferern in der Nachbarschaft, doch er ermöglichte es. In Deutschland stehen ihm nun alle Türen offen: Die Nähe zum Wissenschaftsstandort Berlin, eine direkte Anbindung zur Autobahn und demnächst hoffentlich auch der Flughafen Berlin Brandenburg, falls er denn bis dahin seine Pforten geöffnet hat. Wer weiß vielleicht profitieren gleich mehrere Akteure: Die Autobauer, der Standort Deutschland und vor allem wir – als Bevölkerung, denn saubere Luft, vor allem in Großstädten, führt zu nachhaltig steigender Lebensqualität.

Elon Musk
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