Wie verändert künstliche Intelligenz Wirtschaft und Marketing? | MTP e.V.

Die Dartmouth Conference am 13. Juli 1956 in New Hampshire gilt wohl möglich als die Geburtsstunde der künstlichen Intelligenz (KI) oder zumindest ihrer Namensgebung durch den Informatiker John McCarthy.

Früher noch Zukunftsvision, heute Realität. Und morgen?

Fachleute der Unternehmensberatung bei Accenture und PwC prophezeien bereits jetzt einen bedeutenden Wachstumsschub der Wirtschaftsleistung bis 2035 durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (vgl. Armbruster, 2017). Auch große Technologiekonzerne wie Google, Apple oder auch der Online-Versandhändler Amazon haben das Potential der KI längst erkannt und investieren erhebliche Summen. Alleine im Jahr 2016 berechnete sich die Investitionssumme in Start-ups aus dem Bereich KI auf mehr als 5 Milliarden US-Dollar (vgl. CB Insights, o.J.). Prognosen sehen bis 2025 sogar einen weltweiten Umsatz von bis zu 31,2 Milliarden US-Dollar für Unternehmensanwendungen im Bereich künstliche Intelligenz voraus (vgl. Tractica, 2016).

Anwendungsgebiete in Deutschland

Gerade in einem Land wie Deutschland kann künstliche Intelligenz für neuen Schwung in der zukünftigen Wirtschaft sorgen. Aufgrund des demographischen Wandels, folglich der immer älteren Bevölkerung, werden auch die Produktivität, Kreativität und Innovation nachlassen (vgl. Zimmermann, 2016). Laut einer Studie von McKinsey & Company könnte KI Abhilfe schaffen, den demographischen Engpass überwinden und das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland bis 2030 um 4 % steigern.

Künstliche Intelligenz im Marketing

Nicht nur in der Technologiebranche, Autoindustrie oder in der Pflege wird sich künstliche Intelligenz einnisten, auch das Marketing und die Werbung, wie wir sie heute kennen, sind betroffen. Am 2. Juli 2016 stellte das Beratungsunternehmen IBM in New York das KI-System Watson Ads vor. Ein System, welches eine neue, unkonventionelle Art des Werbens ermöglicht. Erste Kooperationspartner wie Unilever, GSK Consumer Healthcare und Campbell Soup Company sind bereits gefunden.

Vorbei sind die Zeiten der unnötigen und irrelevanten Werbung. Watson Ads wird in Zukunft nur individuell angepassten Content anzeigen und ermöglicht somit ein einzigartiges Kundenerlebnis. Was ein KI-System wie Watson Ads ausmacht ist, dass es aus gesammelten Daten dazu lernt (kognitives Lernen) und folglich die Inhalte anpassen kann. Das ist nicht nur für Kunden ein Vorteil, sondern auch für die Werbeträger. Diese verwerten die Daten und können anschließend ihre Kommunikation mit dem Kunden und ihre Werbestrategien optimieren.

Schild: Data has a better idea

Angenommen, es ist ein warmer Sommerabend und man will gemeinsam mit Freunden kochen. Basierend auf der Jahreszeit, den Zutaten, die man zu Hause hat und auf den gemeinsamen Essenvorlieben, beispielsweise thailändisch, empfiehlt Watson Ads einen frischen Papaya Salat. Zusätzlich zum Rezept wird ein Chang-Bier vorgeschlagen, welches man im Supermarkt nebenan kaufen kann (vgl. Wadhavan, 2016).

Kritikpunkte

Nichtsdestotrotz hagelt es auch Kritik. Durch das Ersetzen menschlicher Arbeitskraft könne eventuell der persönliche Bezug und Kontakt zum Kunden verloren gehen (vgl. Goethals, 2016). Des Weiteren lässt sich nicht verneinen, dass solche Systeme wie Schwämme sind, die jegliche Daten aufsaugen, sie verwerten und eventuell sogar weiterverkaufen. Auch gibt es Bedenken, dass die menschliche Arbeit ersetzt werden kann. Laut dem Philosophen Richard David Precht und dem Informatiker Manfred Broy könnten etwa die Hälfte aller Arbeitsplätze in der westlichen Welt aufgrund von KI bald wegfallen (vgl. Rauner, 2017). Die Digitalisierung und Automatisierung menschlicher Arbeitsprozesse könnte auch in naher Zukunft die akademischen Berufe erreichen (vgl. Fuest, 2016). Auch ethisch gesehen trifft das Projekt KI auf Bedenken. Darf der Mensch soweit gehen, Gott spielen und eigene intelligente Wesen erschaffen?

Doch unter all dem Fortschritt und den Investitionen geht die Kritik unter, denn das machbare wird immer machbar gemacht, ob ethisch vertretbar oder nicht. Der Markt für KI wächst um 25 % jährlich und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein (vgl. McKinsey & Comapny, o.J.).
Die Vorherrschaft der künstlichen Intelligenz mag zwar noch weite Zukunftsvision sein, jedoch können wir in den kommenden 20 Jahren uns trotzdem auf viele Veränderungen durch den Einsatz von KI-Systemen wie Watson Ads einstellen.

Autorin:

Lucy Russakowa
GS Berlin

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