Wie künstliche Intelligenz das digitale Marketing verändert | MTP e.V.

Künstliche Intelligenz wird zunehmend im digitalen Marketing eingesetzt. Mit der Möglichkeit des Sammelns von Nutzerdaten und der anschließenden Analyse und Weiterverarbeitung ergeben sich daraus viele Möglichkeiten.

So hat der Online-Versandhändler Zalando im März 2018 etwa 250 Arbeitsplätze seiner Marketingabteilung gestrichen, die durch Algorithmen oder künstliche Intelligenz ersetzt wurden.

Künstliche Intelligenz ist vielseitig einsetzbar

Wenn man sich vorstellt, wie Künstliche Intelligenz (KI) „aussieht“, stellen sich viele möglicherweise eine vom Menschen geschaffene Maschine mit synthetischem Bewusstsein vor, wie sie etwa in Filmen oder Serien oft gezeigt wird.

Doch in der Realität bezeichnet die KI vielmehr ein System, das in der Lage ist, Aufgaben eines Menschen zu lösen, die üblicherweise Intelligenz erfordern. Ein KI-System muss dabei aber nicht viele Gemeinsamkeiten mit dem Menschen haben und ist oft auf sehr konkrete Anwendungsprobleme fokussiert und vielseitig einsetzbar. Etwa zum Lösen (mathematischer) Probleme oder sogar dem Diagnostizieren von Krankheitsbildern in der Medizin.

Aber auch im digitalen Marketing kann KI für viele Dinge eingesetzt werden, wie bereits am Beispiel Zalando gezeigt wurde.

Bessere User Experience

Heutige Benutzer sind oft versiert, ungeduldig und haben wenig Zeit. Sie nutzen das Internet gerne zum Einkaufen, dem Buchen von Flügen oder für Recherchen. Bei der Flut an Online-Angeboten kann die User Experience (UX) einer Internetseite oder App dabei den entscheidenden Unterschied machen, ob der Nutzer diese nutzt und anderen vorzieht und ist damit im digitalen Marketing von hoher Bedeutung.

Besonders relevant für die UX ist hierbei etwa die Ladezeit, wie schnell etwas gefunden wird oder auch wie einfach ein Artikel gekauft werden kann. Wenn der Nutzer also eine positive Nutzererfahrung hat, wird er eher ein wiederkehrender oder loyaler Kunde. Künstliche Intelligenz kann signifikant dazu beitragen die UX zu verbessern. Etwa beim Sammeln von Nutzerdaten, dem Auswerten und der anschließenden Einordnung, was für den Nutzer die vermutlich beste persönliche Nutzererfahrung erzeugt. Anhand von Daten wie dem Ort, Alter, Klickverhalten oder den Daten der vorherigen Besuche des Nutzers auf der Internetseite kann die KI Schlüsse daraus ziehen.

Vorhersage des Kundenverhaltens

Eine Künstliche Intelligenz ist nicht nur in der Lage, aus den zuvor gesammelten Daten die UX zu personalisieren, sie kann diese Daten auch verwenden, um etwa das zukünftige Verhalten des Nutzers vorherzusagen. Sogar Vorhersagen zu zukünftigen Nutzern, die vorher nie die eigene Internetseite besucht haben, sind möglich.

Im digitalen Marketing werden hierzu oft Data Management Platforms eingesetzt, die Daten von verschiedenen Quellen sammeln. Durch Algorithmen und KI können so große Datenmengen über Benutzer verarbeitet und ein Benutzerprofil erstellt werden. Wenn ein Nutzer beispielsweise bei Google nach einem bestimmten Produkt sucht und typischerweise bei Amazon einkauft, kann es durchaus vorkommen, dass der Nutzer auf einer völlig anderen Internetseite dann Werbung von Amazon mit dem zuvor gesuchten Produkt erhält.

Chatbot der Bank N26

Kundenservice in Echtzeit

Eine aktuell sehr beliebte Integration von KI sind Chatbots, die dem Nutzer Fragen automatisiert beantworten und bei Problemen helfen sollen. So soll dem Kunden auch dann geholfen werden, wenn etwa kein freier Mitarbeiter zur Verfügung steht oder der Zeitpunkt außerhalb der Geschäftszeiten liegt. Der Vorteil liegt darin, dass der Chatbot jederzeit verfügbar ist und etwa vorherige Chat-Konversationen (nicht nur vom Chatbot, sondern auch von realen Personen) verwendet, um daraus zu lernen und Kundenfragen besser zu beantworten.

Chatbots sind jedoch aktuell nicht ausgereift genug, um reale Mitarbeiter zu ersetzen. Sie können vielmehr als Unterstützung gesehen werden, um einfache Fragen zu beantworten oder den Kunden etwa in die richtige Abteilung zu verbinden.

Semantic Search

Bis vor einigen Jahren hat Suchmaschinenoptimierung (SEO) noch bedeutet, möglichst viele Backlinks und Keywords mit einer Internetseite zu verbinden, um bei Suchmaschinen häufiger und besser gefunden zu werden. Es ging darum, zu verstehen, nach welchen Kriterien Google die Suchergebnisse anordnet und diese Erkenntnisse entsprechend auf die eigene Internetseite anzuwenden.

Durch Künstliche Intelligenz hat sich jedoch auch dies stark verändert und muss im digitalen Marketing zwingend beachtet werden. Die zuvor eher statische Suche verwendet zukünftig KI und wird zur semantischen Suche. Diese hat das Ziel, die wahre Intention des Nutzers für eine Suchanfrage zu erkennen und abhängig davon persönliche Suchergebnisse anzuzeigen. Dazu werden KI-typisch (Nutzer-)Daten verwendet und versucht, eine Verbindung zwischen den Daten und den Begriffen der Suchanfrage herzustellen. Es wird also nicht der Suchbegriff, sondern die Bedeutung dieser in den Mittelpunkt gestellt.

In der SEO bedeutet dies nun neben einigen anderen Aspekten, dass der Seiteninhalt eine häufig gestellte Frage am Anfang der Seite klar und präzise beantworten sollte, bevor spezifischere Details folgen. Auch sollten Seitenbetreiber strukturierte Daten verwenden, die von Suchmaschinen nach einem bestimmten Muster erkannt und dadurch besser verarbeitet werden.

Anzeige des deutschen Bundespräsidenten mit strukturierten Daten, obwohl das Land nicht angegeben wurde

Fazit

Wie bereits anhand der vorherigen Beispiele gezeigt wurde, macht der technologische Fortschritt auch beim digitalen Marketing keinen Halt. Künstliche Intelligenz wird zunehmend relevanter, um sich dem Wettbewerb weiterhin erfolgreich zu stellen. Auch wenn das massenhafte Sammeln und Verarbeiten von (personenbezogenen) Daten kritisch betrachtet werden muss, ist es ein fester, relevanter Teil des digitalen Marketings und sollte daher verantwortungsbewusst verwendet werden.

Besonders die unendlichen Möglichkeiten, die sich durch KI ergeben, werden zunehmender Standard und sind sehr hilfreiche Tools. Insbesondere in Bezug auf die Nutzeranalyse und Vorhersage.

Autor:

profilbild

Timo Bihlmaier

GS Stuttgart
, , , , ,
Vorheriger Beitrag
MTPanel: Ausgabe #9 – Konsumverhalten während COVID-19 | MTP e.V.
Nächster Beitrag
MARKETEA #25 – Karsten Kossatz von Helfen.Berlin über kleine Egos und den Aufbau eines Non-Profit Phänomens | MTP e.V.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü