Wie ein Kasten Wasser das Leben verändern kann – Unser Interview mit Andreas Niedrig | MTP e.V.

Dieses Sommersemester war für uns alle etwas Besonderes und eine große Umstellung. Da passte es ja, dass wir in unserem letzten Leipziger Plenum kurz vor der Prüfungsphase Andreas Niedrig mit seinem Motivationsvortrag „Wer sagt, dass das Leben immer leicht sein muss!?“ digital zu Gast hatten. Die Geschichte des deutschen Hochleistungssportlers ist bis über die Grenzen seiner Disziplin – dem Triathlon – hinaus bekannt. Als der Mann, der vom Junkie zum Ironman-Läufer wurde, ist sein Leben bereits verfilmt und in diversen Kooperationen erzählt worden. Doch wir hatten da noch ein paar andere Fragen: Wie motiviert man sich zu so einem steilen Aufstieg auf der Leiter des Lebens und welche Tipps hat Niedrig für andere?

MTP: Was war damals ausschlaggebend, um Ihr Leben zu ändern?

Andreas Niedrig: Viele sagen, dass ich meine Drogenabhängigkeit mit dem Sport bekämpft habe. Also von der einen in die andere Sucht gerutscht bin. Doch meine Geschichte „Vom Junkie zum Ironman“ liegt eigentlich in dem „zum“ dieser beiden Lebensetappen. Als Jugendlicher ging ich den klassischen Weg der Drogensucht: Bei Marihuana angefangen bis ich schlussendlich bei der Nadel angekommen war und meinen Konsum – oft eben illegal – finanzieren musste. Schließlich stellte man mich vor die Entscheidung: Gefängnis oder Therapie.

Andreas Niedrig (Foto: Karsten Andreas)

Der Druck von außen war zu diesem Punkt so groß und man hatte mich direkt auf mein Problem gestoßen. In der Langzeittherapie wollten die Therapeuten vor allem herausfinden, warum ich so geworden war. Ich aber wollte wissen, wie es von hier an weitergeht, wie ich wieder in der Welt da draußen klar komme. Also brach ich die Therapie ab. Mein großes Glück war, dass ich damals zurück zu meiner Frau und meinem Kind konnte und diesen Halt hatte. Danach hielt ich mich mit Hilfsarbeiten über Wasser. An Sport war noch gar nicht zu denken, obwohl mich mein Vater immer zum Laufen überreden wollte.

Das eine Erlebnis, was mich dann verändern sollte, scheint von außen gar nicht so besonders zu sein. Die einzige Sucht, die ich in meinem „neuen Leben“ damals nicht aufgeben konnte, war das Rauchen. Als ich dann eine Kiste Wasser in den dritten Stock zu unserer Wohnung tragen wollte, musste ich im Treppenhaus einen Stopp einlegen. Da kam meine 72-jährige Nachbarin und fragte: „Herr Niedrig, kann ich Ihnen helfen?“. Das mit Mitte zwanzig zu hören, macht auf jeden Fall etwas mit der eigenen Person. Ich entschied mich also doch mit meinem Vater zu laufen und „verlor“ kläglich gegen ihn. Am nächsten Tag hatte ich zudem am ganzen Körper Muskelkater. Doch davon wollte ich mehr, von diesem Kontakt mit meinem Körper.

Niedrig kämpfte sich daraufhin vom Marathon bis zur Königsdisziplin, dem Triathlon. Er gehörte dabei zehn Jahre lang zu den weltweiten Topathleten und stand sogar beim legendären Iron Man Hawaii unter den Besten und stellte Rekorde auf der Strecke auf.

MTP: Was sind Ihre Tipps, um so ein Durchhaltevermögen aufzubauen?

Andreas Niedrig: Man darf sich seine Ziele nicht zu groß oder besser gesagt nicht zu weit in die Ferne stecken. Beim Marathon zum Beispiel bin ich nie 42 Kilometer gelaufen, sondern 42 Mal einen Kilometer. Sich Vorhaben in kleine Ziele einzuteilen macht das Ganze greifbarer und erreichbarer. Dann fällt es auch leichter, sich aus seiner Komfortzone heraus zu bewegen.

Zudem müssen die eigenen Ziele so erstrebenswert sein, dass man jede Stimme, die sagt man solle aufgeben, ignorieren kann und will.

MTP: Gilt das denn auch für Studenten?

Andreas Niedrig: Natürlich! Wenn man morgens nicht zur Uni möchte, muss man sich auch als Student etwas Positives dagegenhalten. Warum es sich lohnt oder warum es ganz einfach Spaß macht.

Dabei ist mir auch klar, dass man etwas Negatives nicht einfach mit einem Schalter ausschalten kann. Meistens braucht man genau so viel Zeit aus einem Tief zu kommen wie man hineingerutscht ist.

Im Ziel angekommen! Niedrig beim Ironman Hawaii (Foto: Thorsten Frahm)

Aber sowohl im Studium als auch im späteren Berufsleben ist es für die eigene Motivation sehr wichtig, sich nicht an anderen zu orientieren. Denn wenn man für eine Idee brennt und Leidenschaft mitbringt, dann ist es egal, wer man ist oder bis zu diesem Zeitpunkt war. Sobald man eigenverantwortlich und selbstwirksam ist, kommt dieses Durchhaltevermögen und die Motivation von ganz alleine. Dann ist man als Mensch auch gleich viel selbstbewusster. Das Wort Selbstbewusstsein spielt für mich in diesem Zusammenhang auch eine ganz wichtige Rolle. Man muss sich immer selbst bewusst sein, welche Rolle man in den Bereichen seines Lebens spielt und was man daran ändern kann. So schließt sich der Kreis zur Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit auch wieder.

MTP: Was machen Sie an Tagen, an denen Sie gar keine Motivation haben?

Andreas Niedrig: Dann lege ich mich auf meine Couch und mache Netflix an. Denn das kann auch mal passieren und es ist überhaupt nichts Schlimmes. Man kann nicht immer zu 100 Prozent motiviert sein. Wichtig ist dabei nur, dass solche Phasen nicht zu lange andauern.

Niedrig in seiner Tätigkeit als Motivationsredner (Foto: Klaus Reinelt)

MTP: Heute sind Sie ja nicht nur Sportler, sondern eben auch Motivationsredner. Wie wichtig ist hierbei das Thema Marketing für Sie? Zuerst einmal auf einer Skala von eins bis zehn.

Andreas Niedrig: Eine fünf würde ich sagen.

Schon zu meiner Profizeit konnte ich nicht ausschließlich vom Sport leben. Ich musste mich also immer selbst vermarkten, um Partnerschaften einzugehen. Das habe ich immer ohne einen Manager getan.

Für mich war dabei immer wichtig, dass ich Kooperationen habe und nicht bloßes Sponsoring. Eine Zusammenarbeit sollte meiner Meinung nach immer einen Mehrwert für beide Seiten haben. Meine direkten Gegenleistungen für die Unternehmen waren damals schon verbunden mit meiner Geschichte. Ich betrieb vor diesem Hintergrund Mitarbeiterschulungen, schrieb Texte und war als Referent tätig. Denn Sportlerfiguren sind immer an ganz klare Emotionen gebunden, die im Vertrieb eines Produktes Wunder wirken können. Vor allem amerikanische Firmen waren dann interessiert an mir. Meine Biographie hätte Hollywood nicht besser schreiben können, wurde mir da gesagt. So baute ich mir dann über die Jahre mein zweites Standbein als Redner auf, denn mir war klar, dass ich nicht für immer Profisportler auf diesem Level sein werde.

MTP: Was waren besondere Kooperationen, an die Sie sich immer erinnern werden?

Andreas Niedrig: Da fallen mir spontan zwei ein:

Eine war mit dem Fahrradhersteller Storck, da hatte ich damals ein sehr professionelles Fotoshooting. Daraus wurde dann ein Booklet, in dem immer ein Rad vorgestellt wurde und dann ein Teil meiner Geschichte. Anschließend wurde es dann in Fachgeschäfte gelegt, um die Produkte zu bewerben. Hier wurde diese Emotionalisierung des Produkts fabelhaft eingesetzt.

Die andere Werbekampagne lief mit der Swisscom unter dem Titel „Golden Talents“. Dabei wurde mit jedem abgeschlossenen Vertrag ein Olympionike aus dem Kanton der Schweiz unterstützt, in welchem der Abschluss gemacht wurde. Das Ganze wurde groß mit meiner Geschichte aufgezogen. Solche sozialen Projekte sind mir bis heute sehr wichtig, sodass ich sie dann auch oft kostenfrei mache.

MTP: Wie wichtig ist Authentizität als Redner und das Marketing für diese Tätigkeit?

Andreas Niedrig: Natürlich sehr wichtig. Aber darüber denke ich gar nicht so viel nach, denn ich habe meine Geschichte ja selbst erlebt und das macht schon vieles aus. Reale Dinge kommen immer besser an. Außerdem möchte ich vor allem vor meinen Zuschauern authentisch sein, denn um sie geht es in meinen Veranstaltungen. Nicht um mich, sie sollen selbst den Mehrwert haben.

Mein Marketing für meine Sprechertätigkeit mache ich viel selbst, aber auch zusammen mit der österreichischen Agentur „Büro ohne Namen“. Die Leute dort können meine Ideen immer umsetzten und die vorhin schon angesprochenen Emotionen erklären und visualisieren, was heute unglaublich wichtig ist.

MTP: Vielen Dank, Herr Niedrig, für das tolle und interessante Gespräch. Zum Schluss haben wir noch ein paar kurze „Entweder-Oder“-Fragen für Sie als Sportler vorbereitet:

Fahrrad fahren oder Laufen? – Rad fahren.

Nike oder Adidas? – Saucony. Bei den Marken bin ich großer Amerika-Fan.

Proteinriegel oder Shake? – Shake auf pflanzlicher Basis.

Sport am Morgen oder am Abend? – Früh morgens um 5 Uhr, wenn die Straße nur mir gehört.

Autorin:

Kim Brückner

GS Leipzig
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