Bleiben Facebook die Innovationen für Instagram aus? | MTP e.V.

Als ich vor kurzem meinen Instagram-Account öffnete, war ich verwundert.
Meine Explore-Lupe, unter der man neue Beiträge entdecken kann, verschwand plötzlich aus der Symbolleiste. Ich stieß statt auf neue Memes auf ein neues Videoformat. Es war überall – in Stories, im Feed und auf Profilen. Doch nach kurzer Recherche wurde ich fündig:

Das neue Tool nennt sich Instagram Reels.

Überblick Instagram Reels

Doch was ist Reels überhaupt?

Instagram Reels wurde Ende Juni vorerst vom Mutterkonzern Facebook als Pilotprojekt in Brasilien, Frankreich und Deutschland eingeführt, um es auf den internationalen Markteinstieg vorzubereiten. Seit Anfang August wurde dies auf weitere 90 Länder ausgeweitet.
Anders als beim hauseigenen Videoformat Instagram TV (kurz IGTV) soll Reels keine längeren, klassischen Clips produzieren, sondern zur kreativen Multiclipproduktion anleiten. Dabei können die bis zu 15-sekündigen Aufnahmen mit Musik, Zeitraffern, Slow-Motion und kreativen Filtern ausgestattet werden und nach Lust und Laune mit weiteren Kurzvideos kombiniert werden.

Wie funktionieren die Reels?

Dabei handelt es sich nicht um eine zusätzliche App, wie man es bei der Aufnahme von Boomerangs (fünf-Sekunden-Video, das in Dauerschleife vor und zurück abgespielt wird) kennt. Die neue Funktion bettet sich geschickt in die anderen Tools der Plattform ein. Seine Reels kann man entweder im Profil-Feed, oder in der Story teilen und zusätzlich neue Videos anderer Nutzer im Reels-Feed entdecken. So animiert das Netzwerk auch zur Nutzung seiner neuen Funktion. Genau wie der Explore-Feed, dienen auch Reels dazu, neue Creator, Beiträge und Kanäle zu entdecken und seinen Instagram Feed weiter auszubauen und zu personalisieren. So soll langfristig die App benutzerangepasster werden und die Nutzungsdauer steigen.

Was möchte Instagram mit Reels erreichen?

Der neue Videohybrid erinnert an eine Mischung aus IGTV, Story-Beiträgen und TikTok, denn mit Instagram Reels orientiert sich das Netzwerk stark am asiatischen Social-Media-Aufsteiger TikTok . Dieser setzt auf die Funktionen kreativer Multiclipvideos und begeistert aktuell mehr als 5 Millionen Deutsche und 800 Millionen Nutzer weltweit. Um seinem Rivalen in nichts nachzustehen, setzt darum nun auch Instagram auf Kurzclips, welche editiert und kombiniert werden können in Form einer Social-Media-Plattform. Wer daher mit TikTok vertraut ist, wird sich auch intuitiv mit Instagram Reels schnell zurechtfinden. Instagram versucht so das vor allem junge Publikum von TikTok wieder vollständig für sich zu gewinnen und sich den Markt rund um Werbepartner, User und Nutzungsdauer nicht mit Konkurrenten teilen zu müssen.
Vorteil für Instagram ist der Zugriff für User auf die riesige Musikdatenbank, welche die Kurzvideos originell untermalen können. Langfristig ist es das Ziel der Plattform, sein neues Tool innovativ zu erweitern, um dem asiatischen Rivalen vollständig den Rang abzulaufen. Jetzt schon kann man verzeichnen, dass Instagram Reels die Funktionen der Multiclipvideos einem anderen Mainstream zur Verfügung stellen kann als TikTok.

Und was hat Facebook sonst noch so kopiert?

Der raffinierte Marktführer kopierte schon in der Vergangenheit erfolgreich die Besonderheiten seiner Konkurrenz. Erst 2016 imitierte Instagram die Story-Funktionen eines Marktteilhabers. Dies war zu diesem Zeitpunkt Alleinstellungsmerkmal und Interaktionskonzept von Snapchat. Doch der Großkonzern führte kurzerhand dieses Tool auf all seinen Plattformen wie Facebook, WhatsApp und Instagram ein. Mit Erfolg. Die Nutzerzahlen von Snapchat wurden rückläufig und viele Influencer bedienten sich stattdessen der vermeintlich neuen Instagram-Funktion. Nach der effizienten Nachahmung, griff Instagram 2017 auch die Kamerafilter-Funktion seines Rivalen auf, um seinen Nutzern und Werbepartnern keinen Grund zu bieten, um ihre Zeit auf anderen Plattformen zu verbringen.

Schon vor einiger Zeit versuchte sich Facebook vergeblich an einer TikTok-Kopie namens Lasso. Diese schaffte es auf Grund ihres ausbleibenden Erfolges im Jahr 2018 allerdings nicht bis nach Deutschland. Nun soll Reels im zweiten Anlauf durch die Integrierung in Instagram höhere Nutzerzahlen auffahren. Dafür stehen bisher die Chancen gut, denn die Multiclip-Adaption wurde von vielen Nutzern bereits sehr gut angenommen. Daher kann man eine Prognose für den Werdegang von TikTok á la Snapchat für wahrscheinlich halten.

Ob die Monopolstellung des Facebook-Konzerns auf dem Social-Media-Markt zu befürworten ist, ist fraglich. Dennoch erleichtert Instagram die Benutzung verschiedener Plattformen und bietet etliche Funktionen für die man lediglich nur eine App benötigt. Ich bin gespannt, welche Tools der Netzwerk-Riese in Zukunft für uns bereit hält und wie krisensicher TikTok auf den Instagram-Klon reagiert.

Im letzten MTPanel befragten wir unsere Mitglieder zum Nutzungsverhalten und den Nutzungsmotiven von TikTok und sprachen kurz Instagram Reels an. Du bist neugierig und möchtest dich ein wenig in die Ergebnisse rein lesen? 

Ludwig Sommer

GS Chemnitz

Text

Nancy Hennig

GS Chemnitz

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