Kieler Podiumsdiskussion mit Hays und LinkedIn – Experten sprechen über Jobfindung und Netzwerkausbau I MTP e.V.

Seit 2020 sind viele Gelegenheiten weggefallen, bei denen Unternehmen und Fachkräfte sich kennenlernen würden. Digital stehen uns aber attraktive Begegnungsmöglichkeiten zur Verfügung und nehmen in ihrer Bedeutung weiter zu. Wir von der Geschäftsstelle Kiel von Marketing zwischen Theorie und Praxis e.V. luden daher Andreas Benhof von Hays sowie Marc Oliver Nissen von LinkedIn ein, um über die Bedeutung und das Potential von Businessnetzwerken in Gegenwart und Zukunft zu sprechen. Die Podiumsdiskussion fand am 10. Dezember 2020 digital als Webinar via Microsoft Teams statt. Ich selbst übernahm die Moderation. Mein Name ist Lambert Schultz und ich bin Mitglied bei MTP Kiel.

Andreas Benhof (Hays, links), Moderator Lambert Schultz (MTP) und Marc Oliver Nissen (LinkedIn) .  © Hays / MTP / LinkedIn

Für mich war es die dritte Podiumsdiskussion, die ich als Projektleiter organisiert und moderiert habe – das Ziel ist immer dasselbe: Menschen mit verschiedenen Hintergründen und in verschiedenen Lebensphasen zusammen und in den Austausch zu bringen. Wichtig ist mir dabei, dass die Veranstaltung offen für Gäste ist. So haben wir jedes Mal Beschäftigte von zahlreichen Unternehmen und Start-ups, Studenten und Alumni mit unterschiedlichen Studienhintergründen sowie Angehörige des Wissenschaftspersonals zu Gast. Es gibt stets einen gemeinsamen Ausklang, bei dem wir uns frei unterhalten und gegenseitig kennenlernen. Das Thema passe ich an die Heterogenität unserer Zuhörerschaft an.

Dieses Mal diskutierten wir über „Suchen und Finden in Businessnetzwerken: Wie interessante Unternehmen und engagierte Fachkräfte zusammenkommen“.

Eine Rekordbeteiligung von Mitgliedern und Gästen aus ganz Deutschland sowie ein sehr lebendiger Austausch, der über das Event hinausgeht.  © MTP

Nähe trotz räumlicher Distanz

Plötzlich arbeiten fast alle Beschäftigten von zu Hause aus. Bewährte Strukturen fallen weg: Beiläufige Begegnungen auf dem Flur, einfacher Informationsaustausch. Produktive Zusammenarbeit im selben Büro, Teamgefühl und persönliche Begegnungen beim Kaffee. Vieles davon fehlt, wenn wir uns nur noch digital begegnen.

Für Marc Oliver Nissen besteht eine zentrale Herausforderung für 2021 darin, wie Unternehmen ihre Kultur auf das Digitale übertragen. „Hier kann man verschiedene Möglichkeiten nutzen, um den Kontakt mit seinen Kollegen zu gestalten. Wenn man als Arbeitgeber zum Beispiel kleine Aufmerksamkeiten mit der Post an die Beschäftigten schickt, erschafft man ein Präsenzerlebnis bzw. eine persönliche Nähe. Manchmal geht es nur um Kleinigkeiten“, wie der Leiter des Berliner Hauptstadtbüros von LinkedIn betont.

Dazu fallen viele Alleinstellungsmerkmale weg, die einen Arbeitgeber attraktiv machen: Schicke Büros in toller Lage, eine Dachterrasse zum Grillen, Tischfußball und andere Annehmlichkeiten. Auch hier nivelliert die Situation die Unterschiede. Egal ob Start-up oder Großkonzern: Digital treffen sich alle in denselben Webinarräumen wie in denen von Microsoft Teams.

Wenn es Unternehmen gelingt, auch bei räumlicher Distanz eine positive und produktive Arbeitsatmosphäre herzustellen, schaffen sie die Grundlage, um die Arbeitgebermarke weiterzuentwickeln. Anstelle von großen Präsenzveranstaltungen wie Berufsmessen und Firmenbesuchen haben sich zunehmend digitale Alternativen etabliert.

Daneben hat aber jeder einzelne Beschäftigte die Möglichkeit, Interessierten einen Eindruck von der Arbeit für das Unternehmen zu vermitteln, wie Nissen betonte: „Menschen interessieren Menschen und Videocontent nimmt in seiner Bedeutung immer mehr zu. Digital gibt es viele Begegnungsmöglichkeiten, um auch mit einer jungen Zielgruppe in Kontakt zu kommen. Nutzt Angebote wie die Story-Funktion, um von eurem Arbeitsalltag zu erzählen. Warum arbeitest du gerne für dein Unternehmen und was macht es für dich so spannend? Sei authentisch und menschlich.“

Marc Oliver Nissen leitet das Berliner Hauptstadtbüro von LinkedIn, zu seinem Profil auf LinkedIn hier klicken © MTP / LinkedIn

In der aktuellen Situation komme es mehr denn je auf den Einzelnen an. Darin liege aber auch eine Chance. Nissen resümiert: „Wer als Arbeitgeber auf Plattformen zeigt, wie er die Zusammenarbeit auch digital positiv gestaltet und eine Wohlfühlatmosphäre herstellt, positioniert sich als attraktive Option für digitalaffine Kandidaten.“

Neben der Situation für Unternehmen thematisierten wir auch die Beschäftigungssituation in Deutschland und wie sich der Bewerbungsprozess weiterentwickelt.

Situation auf dem Arbeitsmarkt und der Trend zur One-Click-Bewerbung

Hays ist der weltweit größte Personaldienstleister und vermittelt Experten an Unternehmen. Andreas Benhof ist dort Leiter Internal Recruiting und HR-Marketing. Nach seiner Einschätzung ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt gut:„Wir haben in den Monaten April und Mai für einen kurzen Zeitraum keine Mitarbeiter neu eingestellt. Seit Juni stellen wir aber wieder neu bei Hays ein, aktuell ungefähr auf dem Vorjahresniveau.“
Damit Unternehmen und Bewerber zusammenkommen, können beide Seiten den ersten Schritt machen. Dazu sagte Benhof:„In der Regel funktioniert das Prinzip „post and pray“ für die Zielgruppe der Hochschulabsolventen noch ganz gut. Das heißt, ich veröffentliche meine Stellenanzeigen und bete, dass Bewerbungen dazu reinkommen. Nur 14% der Neueinstellungen werden tatsächlich durch Active Sourcing getätigt. Aber zusätzlich nutzen 52% der Unternehmen Active Sourcing, gehen also aktiv auf die Kandidaten zu und versuchen, vielleicht auch zielgerichteter vorzugehen.“  Die Statistiken entstammen den Studien „Monster Recruiting Trends 2019“ und „ICR Recruiting Trends 2018“.

Eine zunehmend wichtigere Rolle bei Neueinstellungen spielen Businessnetzwerke, denn der bisherige Bewerbungsprozess mit Lebenslauf, Anschreiben, und Zeugnissen habe zunehmend ausgedient, so Benhof. „Zukünftig braucht ihr einen guten Lebenslauf, übersichtlich und strukturiert. Dies spiegelt sich dann in eurem Xing- und LinkedIn-Profil wider.“

Damit reduziert sich auch der Aufwand, um eine Bewerbung fertigzustellen. Der Trend bei Unternehmen gehe dahin, dass Kandidaten sich mit ihrem Xing- oder LinkedIn-Profil bewerben. „Nutzt die Möglichkeiten der One-Click-Bewerbung. Seid euch dann aber bewusst, dass alles, was auf den Profilen zu sehen ist, auch von uns gesehen wird.“

Andreas Benhof ist Leiter Internal Recruiting und HR Marketing bei Hays, zu seinem Profil auf LinkedIn hier klicken  © MTP / Hays

Für Benhof gilt: „Das Profil eines Menschen in einem Businessnetzwerk wie Xing oder LinkedIn ist seine digitale Visitenkarte.“ Er empfiehlt, sein Profil aktuell zu halten und zeitnah auf Nachrichten zu antworten. Indem man an digitalen Veranstaltungen teilnimmt, könne man sich im Nachgang mit anderen Teilnehmern vernetzen. Wer sich zudem an Diskussionen über sein Fachgebiet aktiv beteiligt, fällt Personalern auf. Benhof orientiert sich daher an dem folgenden Motto: „Businessnetzwerke entweder ganz oder gar nicht nutzen.“

Weitere Themen waren, worauf Recruiter bei einem Profil achten und wo man individuelle Akzente in der Gestaltung setzen kann.

Wie ein Personaler Profile sichtet und wo oftmals ungenutztes Potential besteht

Andreas Benhof benötigt etwa 30 Sekunden, um sich einen ersten Eindruck von einem Kandidaten zu verschaffen. „Diese Zeit verwende ich, um den Lebenslauf anzuschauen oder das fachliche Profil, das Kandidaten in einem Businessnetzwerk platzieren. Diese 30 Sekunden geben mir einen ersten Überblick. Sind ein paar Eckpunkte aus der Stellenausschreibung erfüllt, kann ich daraus ableiten, ob sich ein erster Schritt in der Auswahl für mich lohnt.“

Er rät Bewerbern, im Profil ihre Fähigkeiten anzugeben, denn: „Als Personaler habe ich die Möglichkeit, LinkedIn auch nach bestimmten Fähigkeiten zu durchsuchen. So werden wir auf Menschen aufmerksam, die zu den ausgeschriebenen Stellen passen.“

Für Marc Oliver Nissen gibt es bei vielen Profilen noch ungenutztes Potential, etwa beim Profilslogan unter dem Profilbild. „Er erhält eine große Aufmerksamkeit und je nach Position ist er das, was als erstes ins Auge fällt. Aber auch das Hintergrundbild kann ein kreativer Spielraum sein, um darzustellen, welche Leidenschaft man hat oder wofür man steht.“

Wie man sein Netzwerk ausbaut. Tipps von Marc Oliver Nissen. © LinkedIn

Grundsätzlich rät Nissen dazu, auch private Seiten der eigenen Persönlichkeit zu zeigen, denn: „Oftmals sind es die sogenannten Soft Skills und die privaten Interessen, die ein professionelles Profil abrunden und die Person dahinter menschlicher und interessanter machen.“ Schließlich gilt hier: „Auch auf einer Businessplattform wie LinkedIn geht es in erster Linie um den Menschen.“

Nach dem Ende des offiziellen Teils machten wir eine kleine Pause und stießen dann gemeinsam auf den erfolgreichen Abend an. Für uns war es schön, zu sehen, auf welch große Resonanz und Interesse die Podiumsdiskussion bei unseren Mitgliedern und Gästen gestoßen ist. Dazu freuten wir uns über die mediale Begleitung des Events.

Die Horizont veröffentlichte sowohl einen Ankündigungsartikel als auch einen Bericht darüber, in dem sie auch einen Ausblick auf kommende MTP-Veranstaltungen wie den Sustainable Marketing Congress gibt, den wir digital oder in Präsenz in Nürnberg durchführen.
Hays und LinkedIn diskutieren digital über Networking in der Krise Experten zeigen, wie die Jobsuche über Business-Netzwerke optimiert werden kann Kann Marketing wirklich nachhaltig sein?

Fazit und Ausblick

Das Format der Kieler Podiumsdiskussion habe ich als Ressortleiter Beratung und Veranstaltungen im Wintersemester 2019/2020 in der Geschäftsstelle Kiel eingeführt. Ich habe es nun drei Semester in Folge als Projektleiter organisiert und moderiert. Die Podiumsdiskussion ist sicher mein Steckenpferd und es macht mir sehr großen Spaß, gemeinsam mit anderen Menschen ein großartiges Event auf die Beine zu stellen.

MTP bietet die faszinierende Möglichkeit, ein eigenes Veranstaltungsformat zu entwickeln und durchzuführen. Dabei kann man eigene Akzente setzen. Mir ist wichtig, dass wir vor allem die positiven Seiten und das Verbindende sehen und hauptsächlich über Chancen und Möglichkeiten sprechen. Dies bezieht sich einmal auf die Situation, in der wir Menschen als Gesellschaft stehen.

Es bezieht sich zum anderen auch auf unser Motto, dem wir in unserem Jubiläumsjahr 2021 in leicht abgewandelter Form treu bleiben. Aus „Marketing leben“ wird „Marketing feiern“, wie immer im Rahmen von Marketing zwischen Theorie und Praxis.

Autor:

Lambert Schultz

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