Area9 Lyceum – „Das Apple iPhone für Education“ | MTP e.V.

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Online Lehre, hybrider Unterricht an Schulen, digitale Messen und firmeninterne Trainings am heimischen Laptop – all diese Szenarios waren uns vor etwas mehr als einem Jahr zwar nicht unbekannt, aber doch sehr fern von unserer Lebenswelt. Da ist es nur verständlich, dass unzählige Anbieter für alle Formen der Online-Bildung mit ihren Netzwerken, Technologien und Kursangeboten jetzt den auf den Markt strömen.

Doch woran erkennen Firmen und Bildungseinrichtungen einen wirklich effektiven Ansatz für Technolgie im Bereich der Online-Lehre? Die Strategie von Area9 Lyceum unterscheidet sich schon im Grundsatz von denen anderer Anbieter. Im Gespräch mit Manager Andreas Kambach wird klar, dass im Unternehmen das Prinzip des adaptiven Lernens wirklich gelebt und nicht nur als Werbeslogan genutzt wird.

Vor 20 Jahren im schönen Dänemark…

wurde das Mutterunternehmen von Area9 gegründet, um mit neuen Technologien aus dem IT-Bereich die Lehre für Mediziner zu verbessern. Das Unternehmen wuchs und bot seinen Kunden und Partnern neue und innovative Wege für die Online-Bildung an. Seinen Namen erhielt das Unternehmen dann entsprechend des neunten Bereichs des Gehirns, dem Ort, der laut Wissenschaftlern für das Lernen zuständig ist.

Heute „beherbergt“ Area9 RhapsodeTM mehr als 30 Millionen Lernende und der hinter den Programmen stehende Algorithmus verarbeitet über 30 Milliarden Daten.

Lernen im 21. Jahrhundert

Laut Kambach sind es vor allem zwei Alleinstellungsmerkmale, die das System von Area9 einzigartig und erfolgreich machen: Der Fokus auf das Vermitteln der sogenannten 21st Century Skills und der Verpflichtung die Systeme für Firmen und öffentliche Institutionen getreu dem Prinzip des adaptiven Lernens zu gestalten. Mit den Lernsystemen steht der Lernfortschritt der Teilnehmer im Vordergrund, nicht das simple Abhacken von Lektionen von A-Z. In den für Kunden entwickelten Lernprogrammen erfolgt ein persönliches Coaching, denn jeder Lernende beginnt mit unterschiedlichen Kompetenzen und Vorkenntnissen.

Diese Vorkenntnisse werden durch gezielte Abfragen in Verbindung mit der Selbsteinschätzung, wie sicher sich ein Lernender mit seiner Antwort ist, entdeckt. Die Lernenden haben die Möglichkeit zwischen „Ich bin mir sicher“, „Ich denke „Ich weiß es“, „Ich bin unsicher“ und „Keine Ahnung“ zu wählen. Je nach Reflektion eines Lernenden, wird ein Phänomen deutlich sichtbar – die unbewusste Inkompetenz. Unbewusste Inkompetenz bedeutet, dass ein Lernender eine Aufgabe beantwortet hat und sich in seiner Antwort sicher war, diese aber falsch beantwortet hat. Das System gibt automatisch Lernhilfen, sodass Lernende einen adaptiven Kurs mit 100% Kompetenz und Selbstsicherheit abschließen. Wenn man das im Hinterkopf hat, so Kambach, erschließt sich daraus nicht nur, dass die Lernenden das notwendige Wissen erlangen, sondern auch selbstbewusster werden und sich besser reflektieren können.

Der Algorithmus passt die Lerninhalte dabei automatisch an die Bedürfnisse des Einzelnen an und erstellt einen individuellen Lernpfad für jeden Teilnehmer. Somit kann im Lauf der Kurse nachgewiesen werden, dass die Lernenden das Thema wirklich verstanden haben. Mit dieser pädagogischen Herangehensweise steht immer das Ziel des Lernenden im Vordergrund und wie diese Erkenntnisse praktisch genutzt werden können. Im Scherz vergleicht Kambach die Anpassung des Algorithmus an den Kursteilnehmer mit einem sich dem Körper anpassenden Virus – ein Witz, der auch erst seit einem Jahr funktioniert.

Hinter den kundenspezifischen Lernprogrammen stehen neben dem Algorithmus, aber natürlich auch die Mitarbeiter von Area9. Ihre täglichen Aufgaben im Leipziger Büro bestehen aus Arbeiten an der KI für die Lernapplikationen, dem Erstellen von Lernkonzepten und dem Induzieren des Systems bei Kunden. Die Menschen, die diese Prozesse begleiten, arbeiten täglich an den fortschrittlichsten Wegen im Education-Bereich. Auch die Jobs bei Area9 gab es beispielsweise vor einigen Jahren noch nicht. Das Leipziger Team besteht aus Learning Engineers, die die zielspezifischen Lernprogramme erstellen, Solution Architects und Implementation Managern, die in enger Zusammenarbeit mit den Kunden die Lerninhalte erstellen und dann implementieren. Die fachlich sehr unterschiedlichen und spezifischen Inhalte werden während dieser Prozesse in enger Zusammenarbeit mit den Experten der jeweiligen Institutionen oder anderen externen Fachleuten erarbeitet.

Für diesen innovativen Ansatz erhielt Area9 bereits einige Preise, wie beispielsweise:

  •  2018: Brandon Hall Excellenve in Technology Awards (Silver) für Best Advance in Software for a Training Company
  • 2019: Medaille des Comenius EduMedia Award
  • 2020: Brandon Hall Group Excellence Awards in Technology (Gold) für Best Advance in Unique Learning Technology

Der Boom der Online-Bildung

Kambach bestätigt, dass die Covid-19 Pandemie Area9 zum Wachstum verholfen hat. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern, die erst während der letzten Monate gegründet worden, kann das Unternehmen eine lange Firmenhistorie und eine beeindruckende Liste von Kunden und Partnerunternehmen vorweisen. Zu diesen Firmen im gesamten deutschsprachigen Raum gehören unter anderem Swisscom und Sky. Ein Aufschwung im Bereich der Schulen und Universitäten ist ebenfalls zu erwarten nachdem Area9 kürzlich als Anbieter für die Technologie zur Online-Lehre von der Konferenz der Bundeskultusminister vorgeschlagen wurde.

Doch die Covid-19 Pandemie und die daraus resultierenden Umstände brachten vor allem neue Kunden aus der Wirtschaft zu Area9. Denn Unternehmen produzieren immer noch neue Produkte und in der ungewohnten Home-Office-Situation sind auch wichtige Soft-Skills-Schulungen von enormer Bedeutung. Mit dem pädagogischen Ansatz von Area9 und dem Expertenwissen von Externen entwickelt das Unternehmen nun sowohl Kurse, die Vertriebler für neue Verkaufsobjekte fit machen, als auch digitale Personaltrainings, zum Beispiel im Bereich Digital Leadership. Immer wieder neue Kontakte und Kunden entstehen laut dem Manager Kambach dabei vor allem durch Empfehlungen von Partnerunternehmen und das Feedback von ehemaligen Lernenden.

Doch das Portfolio von Area9 richtet sich auch an Unternehmen, die Trainings und Weiterbildung eher intern durchführen – mit der Area9 University. Das Programm gehört seit den ersten Tagen von Area9 zum Unternehmen. Es beinhaltet eine technische Ausbildung zum Learning Engineer, um die Lernmodule auf der Lernplattform RhapsodeTM zu erstellen. Am Ende können die Teilnehmer selbständig die adaptiven Lernkurse entwickeln. Themen sind beispielsweise die wichtigen 21st Century Skills, was Distraktoren beim Lernen sind, die besten Lernressourcen oder wie E-Learning aufgebaut wird. Die Unternehmen, die Mitarbeiter die Area9 University durchlaufen lassen, werden auf jeder Stufe von Area9 unterstützt, um am Ende auch adaptive Lerninhalte für individuelles Lernen entwickeln zu können. Auch MTPler haben dieses besondere Angebot schon in Anspruch genommen.

Marketing nach für das Lehrbuch

Als Student in einer Marketingvorlesung kommen einem als Beispielfirmen nicht sofort Technologieanbieter für Online-Bildung in den Sinn. Doch Kambach bestätigt, dass wissenschaftlich fundiertes Marketing auch im Education-Bereich unentbehrlich ist. Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert der Mitarbeiterweiterbildung im Bereich der 21st Century Skills. So hat der Area9 Kunde Swisscom mittlerweile einen Chief Learning Officer im Unternehmen. Der Schwerpunkt von Area9 im Marketing liegt daher auf den Alleinstellungsmerkmalen – dem Fokus auf das adaptive Lernen und das effiziente Erreichen von Lernzielen. Dabei sei es vor allem wichtig genaues Wording, die richtigen wissenschaftlichen Begriffe zu verwenden und genaue Evidenzen für die Ergebnisse zu liefern, da adaptives Lernen nun ein inflationär verwendeter Begriff sei, so Kambach.

Doch auch andere unkonventionelle Wege sind möglich. Denn der Bereich, in dem Deutschland vor allem in der Digitalisierung stark hinterherhinkt, ist die Bildung. In Dänemark starteten die öffentlichen Verantwortlichen und die Gründungsfirma von Area9 zum Beispiel ein Projekt der anderen Art: Jugendliche aus sozialen Brennpunkten, die durch die Covid-19 Pandemie ihre Nebenjobs verloren und nicht zur Schule gehen konnten, erhielten einen kleinen Geldbetrag für jede abgeschlossene Schullektion in den Hauptfächern auf der entwickelten Lernplattform von Area9. Zuerst stieß diese Methode in den dänischen Medien auf Kritik. Doch die Jugendlichen bleiben kontinuierlich engagiert und hatten auf lange Sicht ihre gesellschaftlichen Zukunftsaussichten sogar verbessert.

Kambach bestätigt, dass die Lernsysteme in Dänemark und auch im Vereinigten Königreich sehr viel digitalisierter und weniger auf den klassischen Frontalunterricht ausgelegt wären und somit der Markt für Unternehmen wie Area9 dementsprechend größer ist. Dennoch betont er, dass Online-Bildung eine Lehrkraft nie ersetzen könne. Aber die theoretische Wissensvermittlung wird in vielen Schulsystemen bereits ins Digitale verlegt und in den Klassen könne sich somit mehr auf die praktische Anwendung, Übungen, Diskussionen und eventuelle Schwierigkeitsfelder konzentriert werden.

Zum Ende des Gesprächs gab es noch ein paar Expertentipps, wie auch die universitäre Online-Lehre, mit der sich viele Studierende konfrontiert sehen, besser gestaltet werden kann:
• Zuerst das theoretische Wissen zur Verfügung stellen, dann diskutieren, anwenden und praktisch umsetzten
• Studenten und Lehrende sollten kooperativ lernen und reflektieren
• Auch online Aktivitätsmöglichkeiten, wie kurze Gruppenarbeiten oder Diskussionsrunden, nutzten
• Kein Student braucht betreutes Vorlesen als Lehrmethode

Autorin:

Kim Brückner

GS Leipzig
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