Das Phänomen Trash-TV – Warum sich jeder Marketer damit auseinandersetzen sollte I MTP e.V.

Die Spate des „Trash-TV“ spaltet die Gesellschaft. Die einen lieben es – die anderen wollen sich „nicht auf so ein Niveau herabbegeben“. Doch trotzdem ist solch eine Art von Unterhaltungsfernsehen erfolgreich – gerade in der Corona-Krise erlebt Trash-TV einen Aufschwung, was wohl der vermehrten Langeweile in den eigenen vier Wänden und dem Drang nach Entertainment in jeglicher Form geschuldet sein könnte.

Schon in den 90er-Jahren widmete man sich mit Begeisterung Scripted-Reality-Formaten – heute heißen sie „Promis unter Palmen“, „Der Bachelor“, „Love Island“, „Sommerhaus der Stars“ und Co.

Auch wenn Trash TV-Formate immer wieder die Meinungen spalten: Sie sind dennoch erfolgreicher denn je. Woran liegt es eigentlich, dass oben genannte Sendungen solch einen Erfolg verzeichnen?

Zum einen sind Flirt- und Ekelformate leichte Kost – man kann die Sendungen zur Entspannung nach der Arbeit nebenbei schauen und sich dabei entertainen lassen. Auch könnte eine Art Therapie darin gesehen werden, da sich Menschen im Sinne eines sogenannten „Abwärtvergleichs“ mit Personen messen, die etwas weniger gut beherrschen als man selbst, und so das Selbstwertgefühl beim TV-Konsum steigen kann. Laut einer Studie von Statista zur Dschungelcamp-Staffel 2018 sehen sich rund ein Fünftel der ZuschauerInnen die Sendungen an, um sich über die teilnehmenden Promis lustig zu machen. Neben psychologischen Hintergründen spielen auch soziale Aspekte eine Rolle: Ein gemütlicher TV-Abend mit Freunden wird zu einer Art Routine und verdoppelt den Spaßfaktor. Ist das nicht der Fall, so gibt es auch beispielsweise eine eigene „Love Island“- App, in der man sich während der Sendung mit fremden Gleichgesinnten austauschen kann. In gesellschaftlichem Kontext spielt hier das „Mitredenwollen“ eine große Rolle, alle anderen „würden sich solche Formate selbstverständlich gar nicht ansehen“.

Auch diverse Brands haben das Potenzial von TV-Sendungen erkannt und arbeiten immer mehr mit den TV-Sendern zusammen, indem sie Product Placements setzen.

Die Teilnehmerinnen bei „Der Bachelor“ genießen das ein oder andere Glas Batida de Coco, die „GnTM“-Kandidatinnen sorgen mit den Gilette Venus-Rasierern für glatte Beine und „Love Island“-Paare in der Private Suite dürfen sich der offensichtlich platzierten Durex-Kondome bedienen. Da KandidatInnen, die man so eifrig verfolgt, diese Produkte immer und immer wieder benutzen, bleibt das jeweilige Produkt bei den RezipientInnen im Hinterkopf. Die Placements werden hier, anders als bei explizit gekennzeichneter Werbung, subtil, aber dennoch wirkungsvoll, im Vordergrund eingesetzt.

Doch zum richtigen Jack-Pot, den Marketers aus Trash-TV-Formaten ziehen können, gehört auch das Nutzen von Instagram und Influencer-Marketing nach Ausstrahlung der Sendungen.

TV-Formate dienen mittlerweile als Karriere-Sprungbrett für junge Nachwuchs-InfluencerInnen und Content-CreatorInnen, welche nach der Sendung auf der Straße erkannt werden und schon zu Beginn einen Z-Promi-Status genießen. Instagram-Profile dienen in erster Linie der reinen Selbstvermarktung, aber natürlich auch Kooperationspartnerschaften. Brands wie „Pomelo“, „Oceans Apart“, „Mermaid & Me“ oder „Smile Secret“, die ohnehin viel auf Influencer-Marketing setzen, holen sich verstärkt Neu-InfluencerInnen aus Trash-TV-Formaten mit ins Boot, um viele junge Menschen zu erreichen. Die Vermarktungskette scheint ein Kreislauf zu sein, indem bereits bekannte InfluencerInnen aus einer Sendung in weiteren Formaten zu sehen sind. So erhöhen sie immer weiter ihre Reichweite, die sie dann gekonnt auf Instagram, TikTok, Spotify und Co. ausspielen.

Auch der Streaming-Dienst Netflix ist seit ungefähr zwei Jahren mit auf diesen Zug aufgesprungen.

Formate wie „Love is blind“ oder „Too hot to handle” gingen in den USA durch die Decke. Doch auch international gab es unter Netflix-Usern mit der Zeit nur noch wenige, die diese Shows nicht gesehen oder nichts von ihnen gehört haben. Die KandidatInnen dieser beiden Sendungen verzeichnen mittlerweile teilweise über vier Millionen Follower auf Instagram.

Fazit?

Auch wenn Trash-TV-Formate meist als „unter der Gürtellinie“ und „unseriös“ erscheinen, bieten sie aus Sicht des Marketings oft viel mehr Potential, als man vermuten mag. Also aufgepasst, liebe Marketers, wenn es das nächste Mal heißt: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“.

Autorin:

Mona Greindl

GS Köln

Quellen

https://www.stern.de/kultur/anredo–warum-funktioniert-trash-tv–9405972.html

http://www.heringschuppener-markenkommunikation.de/de/blog/2019/02/01/faszination-trash-tv-oder-was-uns-dazu-verleitet-immer-wieder-einzuschalten/

https://lookfamed.de/trash-tv-als-sprungbrett-fuer-influencer/

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